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>>> Datenschutz-Vergehen: Haftbarkeit von Unternehmen soll erweitert werden
2011-10-05 06:54
Das 2004 gegründete Kontaktnetzwerk Facebook, mit dem die mittlerweile weltweit rund 750 Mio User online Freundschaften pflegen, Kontakte knüpfen oder wiederbeleben sowie Fotos und Videos hochladen können, hat in den vergangenen Tagen einige Neuerungen erfahren. Mit "Timeline" und dem "Ticker" sollen noch mehr Daten gesammelt werden. Datenschutzbeauftragte sehen das kritisch.
Laut dem Handelsblatt führen diese Neuerungen für den Nutzer nicht zu einer Verbesserung: „Das Ganze folgt immer dem einen übergeordneten Ziel: so viele Informationen wie möglich zu sammeln und den zahlenden Werbekunden zur Verfügung zu stellen.“
Laut Firmenchef und Gründer Mark Zuckerberg soll in Zukunft mit Hilfe der neuen Timeline-Funktion ein ganzes Leben auf ein Facebook-Profil passen. Von Geburt an werden Fotos, Videos und Ortsangaben des Users gespeichert. Vergangenes wird in Zeitraffer dargestellt. Somit wird die Grundidee des Netzwerkes umgekrempelt. Mit den neuen Funktionen zeigt man anderen nicht mehr nur etwas, sondern man lässt automatisch einen Mitschnitt des eigenen Lebens erstellen, an dem andere teilhaben können.
Die zweite große Neuerung ist der sogenannte „Ticker“. Mit ihm fließen nicht mehr nur beim aktiven "Gefällt mir"-Klick zahlreiche Daten in das große Datensilo. Gibt der User nur einmal seine Zustimmung, dann bekommt Facebook alle Daten über Filme, Musik oder Bücher, die dieser User online konsumiert - selbst von anderen Webseiten, vorausgesetzt diese nutzen die neue Facebook-Software. Die Informationen werden in Form eines Tickerfensters in Echtzeit am Rand der Webseite angezeigt. Dabei fallen beim passiven Tracking durch eine Software deutlich mehr Daten an als beim aktiven Klicken auf "Gefällt mir".
Laut dem Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, versuche Facebook mit diesen Neuerungen sein Geschäftsfeld von reiner Werbung auf integrierte Internetdienste zu erweitern. Somit werde der User immer angreifbarer. Schließlich lassen sich Profile besser erstellen, je mehr Daten gesammelt werden – und desto mehr sind sie demnach auch wert. Auch geben die Betreiber von Facebook sogar selber an, dass auch von ausgeloggten Nutzern Daten gesammelt werden.
Michael Gartenberg, Gartner-Analyst der Nachrichtenagentur dpa, erläutert: „Die Idee dahinter ist, dass die Nutzer mehr und mehr Zeit auf Facebook verbringen und dessen Dienste nutzen." Der Blogger und amerikanische Journalismus-Dozent Jeff Jarvis schreibt dazu, dass Facebook damit auch die Hürden erhöhe, sich von der Plattform abzumelden: "Man verliert sein Leben."
Der Erfolg von Google+ wird wahrscheinlich auch weiterhin Druck auf die Betreiber von Facebook ausüben. Um zur faktischen Zentralplattform zu reifen, müssen sie ihre Technik für Anwendungen von außen öffnen.
Selbst, wenn Facebook verspricht, dass die User die Kontrolle darüber behalten werden, was ihr Netzwerk über sie erfährt, stellt sich dennoch die Frage, ob wir alles wirklich jederzeit rückverfolgbar und überall verfügbar haben möchten? Schließlich bleiben die Informationen potenziell lebenslang erhalten.